Wie Günther Jauch mit 70 noch immer überraschen kann

Eigentlich sollte es an diesem Abend um Quizfragen und Geld gehen. Doch im September 2026 nahm ein Gespräch bei „Wer wird Millionär?“ plötzlich eine private Wendung. Günther Jauch erzählte einer Kandidatin, dass ausgerechnet an diesem Tag sein 20. Hochzeitstag sei – während er selbst im Kölner Studio saß und seine Frau zu Hause war.

„Deswegen sitze ich hier, ganz weit weg von zu Hause.“

Der beiläufige Satz passte erstaunlich gut zu Jauch. Seit Jahrzehnten gehört er zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fernsehens, über sein eigenes Leben spricht er dagegen meist nur in kleinen Ausschnitten. Auch nach seinem 70. Geburtstag am 13. Juli 2026 ist diese Mischung aus öffentlicher Präsenz und privater Distanz ein wesentlicher Teil seiner Wirkung.

Seine Karriere begann nicht im Quizstudio

Günther Johannes Jauch wurde am 13. Juli 1956 in Münster geboren und wuchs überwiegend in Berlin auf. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Jurastudium, entschied sich jedoch gegen eine klassische juristische Laufbahn und wechselte zur Deutschen Journalistenschule in München.

Seine ersten wichtigen Berufsjahre verbrachte er beim Radio. Beim Bayerischen Rundfunk arbeitete Jauch als Sportmoderator und lernte dort auch Thomas Gottschalk kennen. Aus beruflicher Zusammenarbeit entstand eine Verbindung, die beide Moderatoren Jahrzehnte später noch regelmäßig gemeinsam vor die Kamera führte.

Ende der 1980er-Jahre wurde Jauch auch im Fernsehen immer sichtbarer. Besonders wichtig war der Wechsel zum ZDF-Sport: Vom 29. Oktober 1988 bis zum 15. November 1997 moderierte er insgesamt 92 Ausgaben des „aktuellen sportstudios“. Damit war er lange vor seiner Quizkarriere bereits einem Millionenpublikum bekannt.

Bei RTL fand Jauch seine dauerhafteste Rolle

1989 unterschrieb Jauch einen Vertrag bei RTL. Im April 1990 begann dort seine Zeit bei „stern TV“, zunächst als Moderator, zeitweise außerdem in leitender journalistischer Funktion. Die Sendung machte ihn endgültig zu einem der prägenden Fernsehgesichter der 1990er-Jahre.

Der entscheidende Schritt folgte am 3. September 1999: RTL startete die deutsche Version von „Who Wants to Be a Millionaire?“ unter dem Titel „Wer wird Millionär?“. Jauch übernahm die Moderation – und blieb.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später funktioniert das Format noch immer. Dabei lebt es längst nicht allein von den Fragen. Jauchs Gespräche mit Kandidaten, sein trockener Humor und die langen Pausen vor einer Entscheidung wurden selbst zu einem Teil der Dramaturgie.

Selbst 2026 konnte die Sendung noch ungewöhnliche Momente produzieren: Im April erreichte ein Kandidat erstmals seit längerer Zeit wieder die Millionenfrage. Jauch war inzwischen 69 Jahre alt und saß noch immer auf demselben Moderatorenstuhl, auf dem seine bekannteste Fernsehrolle 1999 begonnen hatte.

Der Moderator hat sich nie auf Unterhaltung beschränkt

Wer Jauch nur mit dem Quizstuhl verbindet, unterschätzt die Breite seiner Laufbahn. Er berichtete über Sport, führte Interviews, präsentierte Jahresrückblicke und moderierte große Unterhaltungssendungen.

Bei Jauch blieb dabei immer ein journalistischer Kern erkennbar. Seine Ausbildung und die frühen Jahre bei Radio und Sportfernsehen unterscheiden seinen beruflichen Weg von vielen klassischen Showmoderatoren.

Mit Dorothea Jauch schützt er das Familienleben

Jauch ist seit 2006 mit Dorothea Jauch verheiratet. Das Paar war bereits viele Jahre zusammen, bevor es heiratete, und hat vier Töchter.

Über die Familie gibt der Moderator nur selten Details preis. Gerade deshalb fallen kleine persönliche Bemerkungen in seinen Sendungen auf. Anfang 2025 erzählte er beispielsweise während „Wer wird Millionär?“, dass eines seiner Kinder rund 35 Jahre zuvor in einer Münchner Klinik geboren worden sei.

Auch beim 20. Hochzeitstag im September 2026 blieb er seiner Linie treu. Er erzählte zwar von der Ehe, machte aber gleichzeitig deutlich, dass seine Frau nicht spontan in die Sendung hineingezogen werden wollte. Privates wird bei Jauch öffentlich, wenn überhaupt, meist nur für einen kurzen Moment.

Potsdam wurde für ihn mehr als ein Wohnort

Abseits der Fernsehstudios ist Jauch eng mit Potsdam verbunden. Dabei blieb es nicht beim privaten Wohnsitz. Er unterstützte unter anderem den Wiederaufbau des historischen Fortunaportals am Alten Markt.

Die Stadt Potsdam hält fest, dass der zwischen 2000 und 2002 erfolgte Wiederaufbau durch eine Spende des Moderators ermöglicht wurde. Das Portal gehört heute wieder zum markanten historischen Ensemble der Potsdamer Innenstadt.

Solches Engagement passt zu einem Teil von Jauchs Leben, der weniger sichtbar ist als seine Fernsehkarriere. Er verbindet seinen Namen immer wieder mit langfristigen Projekten, ohne daraus eine eigene öffentliche Show zu machen.

Ein Familienerbe führt ihn bis an die Saar

Eine weitere Geschichte liegt rund 700 Kilometer von Potsdam entfernt. 2010 übernahmen Günther und Thea Jauch das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar.

Dabei handelt es sich nicht einfach um ein prominentes Investment. Das Gut befindet sich seit 1805 in der Familie; Jauchs Großmutter war eine geborene von Othegraven. Heute wird es von Jauch und seiner Frau in siebter Generation weitergeführt.

Jauch bezeichnet sich allerdings nicht als operativen Winzer. Die tägliche Arbeit im Weinberg und Keller übernimmt ein Fachteam. Seine eigene Aufgabe versteht er eher darin, das Familienerbe langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln. Diese Rolle wird auf der offiziellen Geschichte des Weinguts ausführlich beschrieben.

So ergibt sich mit 70 ein ungewöhnliches Bild: Der Mann, der seit 1999 beinahe unverändert auf einem Quizstuhl sitzt, hat außerhalb des Studios mehrere andere langfristige Projekte aufgebaut. Gerade weil Günther Jauch daraus selten eine große Geschichte über sich selbst macht, bleibt hinter dem vertrauten Fernsehgesicht bis heute mehr zu entdecken.

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