Als Eglė Ruškytė-Hülkenberg im Juni 2025 zur New Yorker Premiere von „F1 – Der Film“ kam, trug sie nicht einfach ein Outfit von der Stange. Zu einem schwarzen Tom-Ford-Jumpsuit kombinierte sie eine weiße Häkeljacke, die sie selbst angefertigt hatte. Fertig geworden war das Stück erst am Vorabend; selbst während der Reise über Montreal hatte sie weiter daran gearbeitet.
Die Szene passt zu einer Frau, die im Formel-1-Paddock oft als Ehefrau von Nico Hülkenberg wahrgenommen wird, ihren eigenen beruflichen Weg aber lange vor der Hochzeit begonnen hatte. Im Juli 2026 wurde die Litauerin in einem aktuellen Porträt mit 38 Jahren beschrieben. Ein öffentlich verlässlich bestätigtes Geburtsdatum ist dagegen nicht bekannt.
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Von Seda führte der Weg zunächst nach London
Ruškytė stammt aus Seda im nordwestlichen Litauen, einer kleinen Stadt im Bezirk Mažeikiai. Sie wuchs nach eigenen Angaben mit zwei Schwestern und zwei Brüdern auf. Nach der Schule studierte sie in Kaunas an der damaligen Litauischen Landwirtschaftsuniversität Landschafts- beziehungsweise Grünflächengestaltung – ein Fach, das mit ihrer späteren Modekarriere zunächst wenig zu tun hatte.
Nach dem Studium zog sie nach London. Ihre Englischkenntnisse waren damals noch begrenzt, und ihre ersten Monate verliefen deutlich unspektakulärer als ihr späteres Leben an der Côte d’Azur: Sie arbeitete zunächst als Reinigungskraft. Danach wechselte sie in den Einzelhandel, sammelte Erfahrung in Modegeschäften und arbeitete schließlich mehrere Jahre in einer Boutique von Stella McCartney in Chelsea.
An der Côte d’Azur wurde aus Handarbeit ein Beruf
Der entscheidende Schritt kam mit dem Umzug nach Südfrankreich. Ruškytė lebte in Cannes und arbeitete auf der Île Sainte-Marguerite in einer Boutique beim Restaurant La Guérite. Dort begann sie, eigene gehäkelte Kleidungsstücke anzubieten. Aus einem handwerklichen Interesse wurde nach und nach ein Geschäft.
Später entwickelte sie unter ihrem eigenen Namen eine Resortwear-Linie; in sozialen Medien bezeichnet sie sich auch als „The Crochet Girl“. Ihre Stücke sind vor allem für warme Urlaubsorte, Beachclubs und Sommerdestinationen gedacht. In einem ausführlichen Interview über ihre Mode und ihr Geschäftsmodell erklärte sie 2024, dass ihre Kleidung unter anderem in Frankreich, Monaco, Mallorca und Saint-Barthélemy verkauft werde und ein festes Ladenlokal für ihr saisonales Konzept wenig sinnvoll sei.
Ihre Arbeiten fanden auch prominente Kundinnen. Ruškytė nannte unter anderem Rihanna, Beyoncé, Heidi Klum und Victoria Swarovski im Zusammenhang mit ihren Kleidern. Bei solchen Angaben ist die Unterscheidung wichtig: Bei Shakira sprach sie 2024 lediglich davon, ihr Kleider übergeben zu haben – nicht davon, dass diese anschließend tatsächlich öffentlich getragen wurden.
Eine Visitenkarte führte zu Nico Hülkenberg
Auch ihre Beziehung zu Nico Hülkenberg begann an der Côte d’Azur. Während Ruškytė in der Boutique auf Sainte-Marguerite arbeitete, kam Hülkenberg mit Freunden in das benachbarte Restaurant. Eine Begleiterin kaufte eines ihrer Kleider, und Hülkenberg nahm die beigelegte Visitenkarte an sich. Am nächsten Tag meldete er sich und lud sie zum Essen ein.
Das Paar ist seit etwa 2015 zusammen. Am 18. Juni 2021 heirateten beide zunächst in Monaco in einer kleinen Zeremonie. Im Juni 2022 folgte auf Mallorca eine größere Hochzeitsfeier mit mehr als 100 Gästen. Die Entwicklung ihrer Beziehung ist vergleichsweise gut dokumentiert, weil Ruškytė in litauischen Interviews selbst wiederholt darüber gesprochen hat.
Mit Noemi Sky veränderte sich der Familienrhythmus
Am 24. September 2021 kam die gemeinsame Tochter Noemi Sky zur Welt. Ruškytė teilte anschließend öffentlich mit, dass es der Familie gut gehe und alle bereits wieder zu Hause seien. Später erzählte sie, dass die Geburt den Alltag und auch ihre eigene Sicht auf Risiken verändert habe.
In ihrem Interview von 2024 beschrieb sie Hülkenberg als sehr engagierten Vater und sagte, die gemeinsame Tochter habe das Paar noch enger zusammengebracht. Gleichzeitig bedeuten Formel-1-Wochenenden häufige Reisen und wechselnde Zeitzonen. Ruškytė erklärte deshalb, dass sie bewusst auf ein stationäres Ladengeschäft verzichte, um flexibler für Familie und Arbeit zu bleiben.
2026 bleibt ihre eigene Arbeit sichtbar
Hülkenberg fährt 2026 für das neue Audi-Werksteam in der Formel 1. Ruškytė begleitet ihn weiterhin zu ausgewählten Rennen und Veranstaltungen, doch ihre öffentliche Rolle erschöpft sich nicht im Paddock. Noch im Sommer 2026 wurde sie in Litauen ausdrücklich als Designerin porträtiert, die ihre eigenen gehäkelten Stücke trägt und vermarktet.
Gerade darin liegt der interessantere Teil ihrer Geschichte. Der Weg führte nicht direkt aus einer Modehochschule in ein etabliertes Atelier, sondern von Seda über ein fachfremdes Studium, Reinigungsarbeit und Verkaufserfahrung in London bis zur eigenen Nischenmarke an der Côte d’Azur. Dass heute Formel 1, Monaco und prominente Kundinnen dazugehören, ist sichtbar – begonnen hat die Geschichte aber mit einer Häkelnadel und der Entscheidung, aus Handarbeit einen Beruf zu machen.


